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Ein Jahr, das es in sich hatte

Rückblick beim Neujahrsempfang im Bürgersaal in Stegen / Landesehrennadeln verliehen.

STEGEN. Das tut einer Gemeinde zum Start ins neue Jahr gut: Ihre Bürgermeisterin bekundet beim Neujahrsempfang nach einem Jahr, das es nach ihren eigenen Worten in sich hatte: "Ich bin gerne hier Bürgermeisterin, weil es hier funktioniert." Und sie belegt es mit klaren Worten: "Es gibt viele Menschen, die zusammenstehen und sich engagieren. Solche Menschen brauchen wir. Es sind Menschen, wie Sie! Stegen ist lebens- und liebenswert."

 Der Beifall im Stegener Bürgersaal, der die große Schar der Bürger aus Politik, Gesellschaft, Handel und Gewerbe, Kirchen, Schulen und besonders den Vereinen und Organisationen des bürgerschaftlichen Engagements kaum noch fassen konnte, war Kleeb am Dienstagabend gewiss.

Quasi als Programm für die Zukunft zitierte sie Leo Tolstoi: "Denke daran, dass es nur eine wichtige Zeit gibt: Heute. Hier. Jetzt." Und deshalb rief sie vor ihrem Rückblick auf: "Packt die Herausforderungen an und wartet nicht. Die meisten Probleme lösen sich nicht von allein."

Das Topthema in Stegen sei im vergangenen Jahr das Begegnungshaus gewesen. Eine Bürgerinitiative hat ein Bürgerbegehren und einen Bürgerentscheid erzwungen: "Eigentlich ein Stück Demokratie." Doch die Formen der Auseinandersetzung hätten bei ihr die Befürchtung eines Bruchs in der Bevölkerung ausgelöst. Letztlich habe der Weg zum gewonnenen Bürgerentscheid eine "fantastische Zusammenarbeit im Gemeinderat und mit dem Verein Miteinander Stegen" bewiesen. "Nun wird es 2018 darum gehen", so Fränzi Kleeb, "das Begegnungshaus Wirklichkeit werden zu lassen".

Die Bürgermeisterin erinnerte an die gelungene Jugend-Partizipation, die zu einer neuen Skateranlage führte. Dank der Kommunalen Inklusionsvermittler Schork und Vogl habe sich viel in Stegen beim Thema Inklusion getan – erfreuliches Fazit war eine Auszeichnung als "barrierefreie Gemeinde". Die Ortskernsanierung ging mit den Planungen des dritten Bauabschnittes weiter. Die Sanierung der Weilerstraße einschließlich neuer Kanalisierung startet am 23. Januar mit einer Anwohnerversammlung. Im Gewerbegebiet läge der Fokus für freie Flächen weiter auf Stegener Betrieben. Und auch bei der Schaffung von Wohnraum sei Stegen aktiv – und bleibe das auch 2018. "Ziel wird sein", so Kleeb, "ein weiteres kleines Wohngebiet zu schaffen". Wegen des gestiegenen Bedarfs sei der Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen zu planen.

 Eine große Herausforderung für Stegen bedeute die massive Zuweisung von Flüchtlingen, stellte Kleeb mit Blick auf 68 unterzubringende Flüchtlinge fest. Da die Unterbringung in privatem Wohnraum, was bisher wunderbar in Stegen funktioniert habe, bei dieser Zahl nicht mehr möglich sei, baue die Gemeinde jetzt zwei Gebäude beim Haus der Vereine. "Dafür müssen wir eine knappe Million Euro aus dem Haushalt investieren, einschließlich der unglaublichen Mehrbelastung der Rathausmitarbeiter." Da jedoch das ehrenamtliche Engagement des Helferkreises sehr stark sei, ist sie überzeugt: "Wir schaffen das."

Zum Klimaschutz habe die Gemeinde ein Konzept entwickelt, das in der nächsten Gemeinderatssitzung beschlossen werde. Kleeb war es ein Anliegen, den Rathaus- und Bauhofmitarbeitern sowie den Gemeinderäten für die vertrauensvolle Zusammenarbeit zu danken.

Auch Bürgermeisterstellvertreter Stephan Gutzweiler stellte fest, dass 2017 nicht einfach war: "Aber 2018 wird angesichts der großen finanziellen Herausforderungen ebenfalls nicht leicht." Doch mit dem "lebhaften Gemeinderat", dem wichtig wäre, gemeinsam voranzugehen, schaue er zuversichtlich in die Zukunft. Sein besonderer Dank galt allen Mitarbeitern im Rathaus. Für Kleeb, die sich über das positive Feedback Gutzweilers freute, war klar: "Wir stehen zusammen."

Mit einem spielerischen Experiment gab sie den Gästen dann eine "wertvolle Lektion für ein glückliches Leben". Mit in einem großen Glas von nacheinander eingefüllten Golfbällen, Kies, Sand, Wasser und einem Schuss Bier machte sie bewusst: "Egal, wie voll das Leben ist, es ist immer noch Platz für ein Bier mit einem Freund."

Zuvor hatte sie Roland Mühl vom Tauziehclub Eschbach und Matthias Martin vom Sportverein Eschbach 1967 mit der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg für langjähriges ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die musikalische Begleitung des Neujahrsempfangs lag bei jungen Musikern der Jugendmusikschule Dreisamtal, von denen sie drei als Preisträger von "Jugend musiziert" ehrte.